Wir machen uns stark für Frauen
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Delegiertenversammlung 2025

Bei der Delegiertenversammlung am vergangenen Samstag, dem 17. Mai 2025, stand neben Wahlen und Verabschiedungen mit dem Vortrag von Prof.in Dr. Katrin Degen ein hochaktuelles Thema im Mittelpunkte: Die zunehmenden Rechtstendenzen in Deutschland und ihre Auswirkungen auf die Situation und die Rechte von Frauen.

 

Knapp 200 Delegierte, Ersatzdelegierte und Gäste waren der Einladung des KDFB Diözesanverbandes in das Haus Sankt Ulrich in Augsburg gefolgt.

Kirche braucht prophetische Stimmen - auch von Frauen

Der Tag startete mit einem Gottesdienst in der Ulrichsbasilika, den die geistliche Begleiterin des Diözesanverbandes, Ruth Hoffmann, unter das Thema „Sie haben die Wahl!“ stellte. In Liedtexten und Fürbitten wurde vor Gott getragen, was die Frauen beschäftigt, was diese Wahlmöglichkeiten bedeuten und wie jede einzelne mit ihren Gaben und Talenten einen lebendigen Beitrag zur Gemeinschaft leisten kann. Pfarrer Thomas Schwartz, der neun Jahre lang geistlicher Begleiter des Diözesanverbandes war, gab mit seiner letzten Predigt in dieser Funktion den Frauen richtungsweisende Worte mit auf den Weg: Die Aufgabe der Frauen in der Kirche bestehe nicht darin, im Hintergrund zu dienen, vielmehr sollen sie aktiv und sichtbar als Licht (das auch blenden kann) und Salz (das auch brennen kann) wirken. Schwartz ermutigte die Frauen, selbstbewusst für Gerechtigkeit, faire Strukturen und die Anerkennung ihrer Stimmen einzutreten, auch wenn das unbequem ist und stört. Ihre Aufgabe ist es, prophetisch zu handeln, die Kirche mit ihrer Kritik und ihren Visionen zu bereichern und den Geist Gottes lebendig zu halten, so dass Kirche wirklich das werden kann, wie es der Wahlspruch Leos XIV. formuliert: „In illo uno unum“ – in dem Einen eins.

Frauenrechte in Gefahr

Mut und Entschlossenheit zeigen auch starke Frauen, die sich für ihre Rechte und die Rechte anderer einsetzen. In ihrem Vortrag verdeutlichte Prof.in Dr. Katrin Degen, dass diese Rechte heute mehr denn je in Gefahr sind. In den letzten Jahren ist der Einfluss extremistischer rechter Strömungen, verbunden mit antifeministischen Bewegungen, massiv gewachsen. Dabei ist zentral, dass die Idee der Geschlechterungleichheit oft mit weiteren Ideologien wie Rassismus oder Antisemitismus verknüpft ist. Angesichts des aktuellen Höhenflugs der AfD ist zu erwarten, dass diese Einstellungen wieder an gesellschaftlicher Bedeutung gewinnen. Fortschritte bei der Geschlechtergerechtigkeit sowie bei der Akzeptanz vielfältiger Lebens- und Familienformen werden dadurch zunehmend zurückgedrängt. Bemerkenswert ist, dass sich die Themen rund um Antifeminismus seit über 100 Jahren kaum verändert haben: Es geht immer um die Einschränkung der gleichwertigen Mitbestimmung, die Verhinderung oder Erschwerung von Lohnarbeit sowie die Kontrolle über die geschlechtliche Selbstbestimmung. Es ist daher wichtiger denn je, aktiv für Frauenrechte einzutreten. Hier ist der KDFB ein wichtiger Partner. Sein Wertefundament aber auch sein großes Netzwerk an engagierten Frauen setzt sich ein für starke politische Teilhabe. So stellte die stellvertretende Landesvorsitzende Sabine Slawik den Anwesenden eine neue Aktion vor: Mit der Kampagne „Starke Frauen – Starke Demokratie“ und einer begleitenden Website zur Kommunalwahl 2026 wird faktenbasiertes politisches Engagement aktiv unterstützt. Umfassende Forderungen zur Prävention und Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt sowie zur Stärkung der Rechte von Frauen werden an die Politik gerichtet. Deutlich wird vom KDFB-Vorstand hervorgehoben, dass eine AfD-Mitgliedschaft grundsätzlich unvereinbar ist mit einer Mitgliedschaft im KDFB.

Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Aufgabe (Marie Zettler)

Bei der vorangegangenen Begrüßung durch KDFV-Vizeräsidentin Monika Arzberger stand ebenfalls das politische Engagement des Frauenbundes im Vordergrund. Mit der Bildung der neuen Regierung in Berlin hat der KDFB seine Forderungen in die Gremien eingebracht: Gesetzestexte sollen verbindlich auf die Themen Parität und Gleichstellung geprüft werden und die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen durch entsprechende (Steuer)Gesetzesänderungen gestärkt werden. 80 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges wird deutlich, dass Frieden und Demokratie zum einen das Ergebnis politischer Vernunft sind, zum anderen aber eine lebendige Zivilgesellschaft brauchen. Es braucht Menschen, die Haltung zeigen, und das sind die Frauenbund-Frauen vor Ort. Sabine Slawik, stellvertretende Landesvorsitzende des KDFB in Bayern, erinnerte in ihrem Grußwort an eine einflussreiche Frauenbund-Frau der ersten Generation: Marie Zettler aus Mering, deren Todestag sich im Februar 2025 zum 75. Mal jährte. Ihre Mahnung, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit, sondern eine ständige Aufgabe ist, hat gerade in der heutigen Zeit wieder eine besondere Bedeutung bekommen. Bischof Dr. Bertram Meier konnte leider nicht persönlich anwesend sein, übermittelte aber in einem Grußwort seinen Dank für das große Engagement der Frauen in den Pfarreien vor Ort. Auch in ländlichen Regionen sind extreme politische Einflüsse spürbar. Für Christinnen und Christen gilt: Das Wort Gottes ist der innere Kompass. Die Kirche muss eingreifen, wenn Grenzen überschritten werden, die Schöpfung gefährdet ist oder Frieden und Gerechtigkeit bedroht werden. Domvikar und Verbändereferent Dominik Zitzler erinnerte an die kürzlich verstorbene Margot Friedländer, die ihr Leben lang in diesem Sinne gehandelt hat: „Seid doch Menschen“ – diese klare Richtschnur soll unser Verhalten prägen, um die Zukunft verantwortungsvoll zu gestalten. Auch Zitzler dankte den Frauen für ihr herausragendes Engagement, denn so nutze der KDFB seine Strahlkraft in Kirche und Gesellschaft, um diese Werte zu verbreiten.

Berichte aus dem Diözesanvorstand

In der Tagesordnung weiter ging es weiter mit einem ausführlichen Rückblick zu den Tätigkeiten des Diözesanverbandes. Annette Fischer, Vorsitzende des Bildungswerks, berichtete von der erfolgreichen Arbeit des Bildungswerks, das mit rund 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in etwa 400 Veranstaltungen pro Jahr eine bedeutende Rolle im Bildungsangebot der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Augsburg spielt. Silvia Lutz, stellvertretende Diözesanvorsitzende aus Binswangen, stellte stolz eines der Highlights im Bildungsprogramm vor: den alle zwei Jahre stattfindenden Frauentag. Ulrike Stowasser, Diözesanvorsitzende, informierte die Anwesenden über die Bemühungen, die wachsende Zahl an Einzelmitgliedern in den Verband zu integrieren. Eine Arbeitsgruppe hat Ideen entwickelt und im Jahr 2024 ein erstes Treffen der Einzelmitglieder organisiert. Dabei wurden auch die satzungsgemäß vorgesehenen Delegierten gewählt. Claudia Keisinger, die dieses Amt übernommen hat, stellte sich persönlich vor und kündigte ein neues Angebot an: Neben den jährlichen Präsenztreffen gibt es künftig auch eine Online-Variante, um die Vernetzung der Einzelmitglieder zu fördern. Im Anschluss erfolgte der Finanzbericht durch die Schatzmeisterin Annette Fischer und die Vorstellung der Bilanzen für 2023 und 2024. Nach mehreren Rückfragen wurde auf Antrag der Kassenprüferinnen Karin Steck und Elisabeth Rotter die Vorstandschaft einstimmig entlastet.

"Leinen hoch!": Aktion von KDFB, VSB und Landfrauen

Als Vertreterinnen der Werke stellten Birgit Ullmann (VSB) und Elfriede Lochbihler (Landfrauenvereinigung) die Aktion „Leinen hoch!“ vor. Mit dieser Aktionsidee, die sich an die Zweigvereine richtet, soll auf den verdeckten Verbrauch von Wasser durch die Produktion und Pflege von Kleidung sensibilisiert werden.

Abschied von Constanze Wackenhut und Dr. Thomas Schwartz

Leider musste auch Abschied genommen werden. Ulrike Stowasser formulierte Dankesworte für Constanze Wackenhut aus Altusried, die zeigten, wie wichtig das Engagement der stellvertretenden Diözesanvorsitzenden über die letzten beiden Jahre gewesen war: Von der Verantwortung für die Öffentlichkeitsarbeit des Diözesanverbandes über die Präsenz in den Bezirken war es vor allem ihr kritisches und innovatives Denken, das für viele Impulse gesorgt hatte. Der geistliche Begleiter, Prof. Dr. Thomas Schwartz, hat seit vier Jahren die Leitung des Hilfswerk Renovabis inne und kann sein Amt für den KDFB leider nicht mehr ausfüllen. Die Damen dankten für sein Wirken und vor allem für seine Offenheit, Unterstützung und Wertschätzung, wenn es um das Thema Frauen in der Kirche und deren Sichtbarkeit geht.

Wahlen: Regina Schury stellvertretende Diözesanvorsitzende

Durch den Rücktritt von Constanze Wackenhut sowie einer weiteren bestehenden Vakanz im Diözesanvorstand standen Nachwahlen für zwei stellvertretende Vorsitzende auf der Tagesordnung. Über 120 Delegierte sprachen Regina Schury aus Krumbach ihr Vertrauen aus und wählten sie zur neuen stellvertretenden Vorsitzenden. Außerdem wurden im Rahmen der Versammlung erstmals die Delegierten der Landfrauenvereinigung des KDFB Landesverband Bayern e.V. gewählt. Die zur Wahl stehenden Angelika Gall, Melody Geißel-Fleury, Monika Knauer, Elfriede Lochbihler und Luzia Schilling wurden von der Versammlung zu Delegierten gewählt, als Ersatzdelegierte wurden Manuela Baumann, Monika Engl, Sabine Slawik und Cornelia Stimpfle ernannt.

Richtungweisene Anträge

Ein wichtiger Tagesordnungspunkt war die neue Mustersatzung für die Zweigvereine. Nach einer kurzen Vorstellung der geänderten Paragraphen und einigen Rückfragen wurde diese einstimmig angenommen. Im weiteren Verlauf der Versammlung verabschiedeten die Delegierten den Antrag „Aufnahme der Entwicklung der Frauenrechte in den Lehrplan bayerischer Schulen“. Die Anwesenden beauftragen damit den Vorstand darauf hin zu wirken, dass die Entwicklung der Frauenrechte als verbindlicher Lehrinhalt im Lehrplan weiterführender Schulen verankert wird. insbesondere Themen wie das Frauenwahlrecht, der Kampf um Gleichstellung in der Arbeitswelt, feministische Bewegungen und internationale Perspektiven sollen Teil eines modernen und aufgeklärten Unterrichts sein. Ein weiterer Antrag zum Thema „Fehlgeburt/Missed Abortion“ sorgte bei den anwesenden für emotionale Diskussionen, sind doch aufgrund persönlicher Betroffenheit viele Frauen eng mit dem Thema verbunden. Gefordert wird die Publikation von Aufklärungsmaterial zu Fehlgeburten vor der 24. Schwangerschaftswoche. Damit soll erreicht werden, dass betroffene Frauen und Familien umfassend über ihre Rechte informiert werden, insbesondere über das Recht auf Hebammenbegleitung, des Recht auf natürliche Geburt (sogen. „Kleine Geburt“) und des Recht auf Bestattung von Kindern mit einem Geburtsgewicht unter 500 g. Auch die Aus- und Fortbildung geeigneter Ansprechpartnerinnen muss forciert werden. Mit großer Mehrheit wurde dieser Antrag von der Versammlung angenommen.

Von zwei Initiativanträgen aus der Versammlung, die Barbara Zimmermann aus Weißenhorn eingebracht hatte, entschieden die Delegierten einen Antrag positiv: Der Diözesanverband erhält den Auftrag das Anliegen, die gesamte Mütterrente aus Steueraufkommen zu finanzieren, auf Landes- und Bundesebene weiter einzubringen.

Dank und Verabschiedung

Zum Ende der Versammlung galt ein herzlicher Dank und Applaus der Moderatorin des Tages, Martina Kobriger, die klar und strukturiert durch den Tag geführt hatte.

19.05.2025