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Frauenportrait - selbst.bewusst.offen

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Karin Ried, 42 Jahre, hat sich einen Lebenstraum erfüllt: Sie stieg aus ihrem Beruf aus und bewirtschaftet seit 13 Jahren die Schneetalalm im Tannheimer Tal. 
Nach vielen Umbauten und Erweiterungen lädt die noch urige Schneetalalm in neuem Glanz viele Wanderer, Gäste und Einheimische zum Verweilen ein. Mit dem einzigartigen Ausblick über das Tannheimer Tal genießt sie den Ruf als eine der schönsten Almen im Außerfern. Noch zu erwähnen ist, dass die Schneetalalm eine von sehr wenigen Almen ist, die weder Strom, Fahrweg noch eine Seilbahn besitzt!
Die Versorgung erfolgt während des Sommers mit dem Hubschrauber!
Bergwanderer und Gäste genießen in der gemütlichen Stube oder auf der großzügigen, aussichtsreichen Sonnenterrasse mit Blick ins Tannheimer Tal, heimische und regionale Gerichte.

Viele Gäste schon erlebten unvergessliche Hüttenabende mit dem einzigartigen Panoramablick ins Tannheimer Tal und einem traumhaften Sonnenuntergang inmitten der Bergwelt.
Für Musikanten und Musikliebhaber laden zahlreiche Instrumente zum mit- oder selber spielen ein.

Die Zahl der Almtiere stieg mit den Jahren bereits auf über 50 Ziegen, 60 Schafe, 11 Esel, 12 Hochlandrinder, 2 Hasen und 15 glückliche Almhühner samt Gockel an. Die fast ausschließlich gefährdeten Haustierrassen finden einen idealen, natürlichen Lebensraum.

R: Liebe Karin, ich erlebe Dich als sehr selbstbewusst, fröhlich und offen. Beschreibe Dich doch ein wenig.
K: Selbstbewusst-fröhlich-offen beschreibt es schon recht gut. Ich glaube auch, dass ich beruflich und privat sehr bodenständig und geerdet bin. Was ich mache, mache ich aus Überzeugung! Für mich ist das was ich mache nicht nur ein Beruf, das ist Berufung. Das spüren auch die Gäste der Schneetalalm.

R: Was hast Du beruflich gemacht, bevor Du die Schneetalalm übernommen hast?
K: Ich habe das Bäckerhandwerk gelernt und 14 Jahre in verschiedenen Betrieben gearbeitet.

R: Was hat Dich dazu bewogen, die Schneetalalm zu übernehmen? Es hat ja auch dein Leben verändert.
K: Schon seit Kindheit war das ein Wunsch gewesen. Mich reizte die Möglichkeit des selbständigen Arbeitens und die Möglichkeit, mein Hobby, die Ziegenzucht, auch beruflich zu integrieren.

R: Welche Schwierigkeiten waren zu überwinden?
K: Die Hütte war in einem sehr schlechten Zustand, es musste viel umgebaut und renoviert, sowie behördliche Auflagen erfüllt werden. Die schlechte Infrastruktur, der nicht vorhandene Fahrweg, kein Strom, und große Investitionen über die Jahre hinweg (Photovoltaik, Wasseraufbereitung). Das war nicht immer einfach.

R: Was hat Dich vorwärts gebracht, Dir Kraft gegeben?
K: Auf jeden Fall die Familie, die von Anfang an hinter mir gestanden und mich immer unterstützt hat, das positive Feedback der Besucher auf der Alm, meine Leidenschaft, die Ziegenzucht und Almwirtschaft.
So sehr ich es im Sommer liebe wenn viel los ist und ich immer mitten unter den Menschen bin, so sehr genieße ich im Winter die Ruhe. Ich bin dann am liebsten stundenlang bei meinen Tieren im Stall, gehe viel Skifahren und Skitouren, ins Theater oder auf Reisen. Wenn dann aber im März/April die Vorbereitungen für die nächste Hüttensaison beginnen, kribbelt es bereits wieder in mir und ich kann es kaum erwarten, endlich wieder auf die Alm zu kommen.

R: Gab es Momente, wo Du Deinen Entschluss bereut hast? Vielleicht wegen der manchmal schweren Arbeit?
K: Ja natürlich! Am Anfang war es schon sehr schwierig, bis alles halbwegs anfing zu laufen, es musste ja sehr viel umgebaut und renoviert werden. Ohne Unterstützung der Familie und von Freunden wäre dies gar nicht möglich gewesen. Für die Bewirtschaftung ist eine sorgfältige und genaue Planung erforderlich, da wir keine Zufahrtmöglichkeit haben. Die Hütte wird vollständig über die Luft versorgt, d.h. es finden regelmäßige Versorgungsflüge mit dem Hubschrauber statt. Wenn mal etwas ausgeht, kann ich nicht schnell mal ins Tal um das Entsprechende zu holen. Die Bewirtschaftung der Alm ist auch sehr wetterabhängig. Wenn es dann tage- oder wochenlang regnet, kann es manchmal auch recht eng werden auf der Alm. Auf der anderen Seite ist man nach einem super schönen Wochenende, mit viel Betrieb auch mal froh, wenn es ein oder zwei Tage regnet, damit wir ein bisschen zur Ruhe kommen können.

R: Wie hat Dich der Entschluss, schon so viele Jahre auf einer Alm zu leben und zu arbeiten verändert/ bereichert?
K: Durch die Bewirtschaftung der Hütte und der Alm habe ich sehr viele Menschen kennengelernt und viele davon sind mittlerweile zu sehr guten Freunden geworden. Ich kann genau das machen was ich immer schon machen wollte und bin in meinem Beruf sehr unabhängig in meinen Entscheidungen. Das Bewirtschaften einer Hütte wäre aber ohne familiärer Unterstützung und einem guten Hüttenteam definitiv nicht möglich. Da die Hütte nur im Sommer geöffnet hat, kann ich mich im Winter voll und ganz meiner zweiten Leidenschaft, der Ziegenzucht widmen und hin und wieder auch mal auf Reisen gehen.

R: Liebe Karin, vielen Dank für Deine Offenheit!

Gerne können Sie Karin Ried virtuell besuchen: www.schneetalalm.at oder schnüren Sie doch einfach Ihre Bergstiefel!

Autor: Rita Sieber, Referentin für Theologie und Spiritualität
25.08.2017
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